Samstag, 09. Mai 2009, 13.00 Uhr Ortszeit:
An der Türe klopft es. Erst vor einer halben Stunde war ich aufgestanden. Wer könnte denn das jetzt sein? – من؟ (Also wer da?). Mohammad! – Wie jetzt, der Prophet? Nein, natürlich nicht. Mohammad ist einer meiner Jungs aus der Familie des Friedens (Nr.2). Mit ihm hatte ich eigentlich ausgemacht, dass ich ihn heute zum Mittagessen besuchen komme. Ich habe ihm versprochen, ich würde ihn Samstag Vormittag anrufen. Unglückerlicherweise fiel mein Handy am Tag zuvor beim Putzen aus meiner Hemdtasche in den Wassereimer und war somit kaputt. Schön, dass er dann auf die Idee gekommen ist, einfach mal vorbei zu schauen. Auf dem Weg zum Schultor haben wir dann noch meinen besten Kumpel Montaser aufgegabelt, der gerade Feierabend hatte. Kurzerhand hat ihn Mohammad auch noch eingeladen.
Von der Schule hat er dann ein Taxi bestellt, das uns einen Kilometer weiter ins benachbarte Ar-Russeifa gefahren hat. Gleich am Eingang von Mohammads Haus haben mich seine beiden kleinen Brüder herzlich empfangen und mir die Hand geschüttelt. An der Haustüre kam dann auch gleich seine Mutter, die verwunderlicherweise kein Kopftuch vor mir trug, und hatte mir sogar die Hand gegeben. Bei sehr gläubigen Muslima ist das nicht möglich. Daher wusste ich nicht im Voraus, ob ich ihr die Hand geben sollte. Im Haus selber war alles sehr gepflegt und schön eingerichtet. Schmuck und stilvoll war vor allem das Wohnzimmer, in das wir hereingebeten wurden. Dort konnte ich auch noch Mohammads ältere Schwester, seinen Vater und seinen Vetter kennenlernen. Monti hat große Teile der Konversation übernommen und mir immer wieder übersetzt. Der Vater und die Mutter hatten zwar auch immer wieder auf Englisch gesprochen, doch das Niveau war eher schlecht. Schade an dem Ganzen war, dass ich nicht so viel sprechen konnte, da mein Arabisch noch sehr zu wünschen übrig lässt.
Wir waren eine ganze Weile im Haus, haben uns die Zimmer zeigen lassen, die alle sehr schön waren (im Vergleich zu den vielen anderen Wohnungen, die ich schon gesehen habe, war das richtig toll) und wurden mehrmals zum Schwarztee mit Pfefferminze eingeladen. Das Mittagessen war dann der reinste Genuss. Das Essen war so unglaublich lecker, dass ich mich übervoll gefressen habe. Neben Fischfilet mit gekochten Bohnen gab es Hühnchen mit Reis und Blumenkohl, alles ganz lecker in einer feinen Sahnemarinade. Fladenbrot, Oliven und Laban (Yogurth) durften natürlich nicht fehlen. Selbstverständlich wurde auch der Reis mit Hähnchen von der riesigen Platte mit den Händen gegessen und nicht vom eigenen Teller.

Mohammad (in der Mitte) mit seinem Vater und mir beim jordanischen Mittagessen. Hühnchen mit Reis – war richtig lecker.
Ein ganz besonderes Highlight war um 16.30 Uhr Ortszeit das Topspiel VfB Stuttgart gegen den Spitzenreiter VfL Wolfsburg. Auf Dubai Sports 2 kommt jeden Samstag das Spitzenspiel der Bundesliga live. Die Freude war groß, als die Wölfe regelrecht zerlegt wurden.

Das erlösende und spielentscheidende 3:1 von Super Mario. Mohammads Bruder, Mohammad und Monti im Freudentaumel mit mir.
Es hat mich an diesem Tag wirklich sehr gefreut, einen weiteren Blick in ein Elterhaus eines Schneller-Schülers zu werfen. Als dann noch der 4:1 Erfolg meiner Rot-Weißen dazukam, war das ein sehr netter Nachmittag in Jordanien.
Was sonst noch die Tage über passiert ist, folgt schon bald.
Bleibt mir gewogen. Euer Fabi.