Liebe Weblogleser, liebe Freunde,
unweigerlich nähern wir uns der frohen Weihnachtszeit. Ein Tag nach dem Nikolaus haben wir Volontäre uns aufgemacht, den nördlichen Anrainerstaat Syrien zu besuchen. Unsere Kollegen aus der Partnerschule im Libanon, der Johann-Ludwig-Schneller-Schule (JLSS), haben mit ihrem extrem langen Bericht vorgelegt. Ich möchte mich bewusst etwas kürzer fassen und zudem auf deren Bericht verweisen (-> zum Bericht von Uli und Jakob, klicke hier).
Für umgerechnet günstige 8,50 € startete unser VIP Bus von einem der städtischen Busbahnhöfe in Richtung Damaskus (ريمشقو). Die erste Hürde, und das war uns schon davor bewusst, sollte die syrisch-jordanische Grenze darstellen. Das Problem lag hierbei darin, dass wir schon in Israel waren. Da wir aber zwei Pässe für diesen Trip benutzt haben, sollte es kein Problem sein. War es aber. Wie erkläre ich das jetzt möglichst verständlich. Vielleicht fange ich damit an, dass Israel und Syrien bzw. Israel und der Libanon sich nicht gegenseitig als Staaten anerkennen. Das hat für Reisende praktisch zu bedeuten, dass mit einem israelischen Stempel im Pass eine Einreise nach Syrien unmöglich ist. Wir wussten das, deswegen haben wir uns in Deutschland einen zweiten Reisepass besorgt. Somit konnte der israelische Einreise- und Ausreisestempel in den noch jungfräulichen zweiten Pass. Was wir allerdings nicht wussten, die 3-monatige jordanische Aufenthaltserlaubnis erlischt bei jeder Ausreise und wird bei Wiedereinreise neu vergeben – ganz genau einen Monat besitzt man danach wieder. Jetzt kommt der Clou. Die Syrer sind mittlerweile so spitz, dass sie diese einmonatige jordanische Aufenthaltsgenehmigung wie einen Stempel von Israel ansehen. Warum? Weil wir weder einen Einreise- noch einen Ausreisestempel im Pass besitzen und das gibt es nur an der Grenze zur Westbank/Israel. Ich hoffe, es wurde ein bisschen klar. Ich habe es am Anfang auch nicht verstanden. Jedenfalls hat der Beamte an der Grenze den Braten gleich gerochen und die Pässe zusammen mit uns zur Seite geschoben. Nach gut 45 Minuten Wartezeit hat es Gott sei Dank doch geklappt. Zum einen hat der Busfahrer Druck gemacht, da er weiter musste, zum anderen habe ich immer wieder gesagt, dass ich nicht weiß, woher der einmonatige Aufenthaltsgenehmigungsstempel herkommt. Ich hätte damit nichts zu tun, ich habe meinen Reisepass immer meiner Dienststelle mitgegeben um die bürokratischen Dinge zu regeln.
Von Amman nach Damaskus haben wir somit vier Stunden gebraucht. Den Nachmittag sind wir ein wenig in der Altstadt herumspaziert. Entlang des schönen überdachten Suqs (orientalischer Basar) bis zur prächtigen Omayadenmoschee. Abends stießen wir im Hotel auf Uli und Jakob, die vom ems in der JLSS tätig sind. Nach einem leckeren Snack in der Altstadt stand für Tonio, Jakob und mich noch ein Besuch in einem arabischen Hammam an. Das ist eine Badeanstalt, in der man neben einer „Schrubbwäsche“ auch eine wohltuende Massage bekommt. Der mit heißem Wasserdampf gefüllte Raum besitzt in allen Ecken Steinwaschbecken, in die sowohl heißes als auch kaltes Wasser eingelassen wird. Mit Aluschalen, ähnlich kleinen Futternäpfen, begießt man dann entweder sich oder seinen Nächsten. War ne ziemlich coole Sache, sodass wir bestimmt zwei Stunden im Bad verbracht haben.

Nach dem Badevergnügen entspannt man sich bei einer kühlen Cola und einem netten Plausch.
Am nächsten Tag stand Damaskus als Hauptsehenswürdigkeit an. Es ging nochmals durch den Suq, wir waren in der Großen Moschee (Omayadenmoschee), im Azem Palace, im christlichen Viertel, im Haus des Ananias und pünktlich zur Dämmerung auf dem Jabal Qaisyun (Qaisyun Berg). Die Aussicht von dort oben auf die 5 Mio. City ist der Wahnsinn. Das konnte keine Kamera einfangen. Es ist auch nicht verwunderlich, dass der Straßenverlauf am Hang mit zahllosen Einkehrmöglichkeiten bespickt ist. Eine davon haben wir bei Tee und Wasserpfeife auch genutzt und uns über unsere bisherige Aufenthaltszeit ausgetauscht. An dieser Stelle möchte ich euch anderen Volos sagen, dass es mir echt riesig Spaß mit euch gemacht hat. Wir sind wirklich ne tolle Truppe und verstehen uns super. Danke für eine unvergessliche Zeit und großartige Gespräche.

Frauen müssen sich in einer Moschee komplett bedecken – in der Großen Moschee mussten das unsere auch.

Atemberaubend. Das Lichtermeer der 5 Mio. City Damaskus bei Nacht.
Die antike Wüstenstadt und Oase Palmyra war unser Tagesausflug am Dienstag. Es hatte viel Ähnlichkeit mit Jerash in Jordanien. Seht’s euch am besten an.

Der Torbogen zur großen Kolonnadenstraße.

Ein Über-blick.
Als ganz persönlichen Höhepunkt unserer Syrienreise empfand ich den Krak des Chevaliers am Mittwoch, eine mächtige Kreuzfahrerfestung. Dort haben wir ganze vier Stunden verbracht.

Der Krak des Chevaliers.
Weiter gings in einem syrischen VIP Bus nach Aleppo (O-Ton: „Is it a modern bus?“ – „Very modern. Very, very modern. Made in Syria.”). Ich war etwas verschnupft, aber den Gestank konnte selbst ich ausmachen.
Sehr lustig fand ich in Aleppo, dass über die Feiertage – es war gerade Eid al-Adha, das viertägige Opferfest der Muslime zum Gedenken an die Sohnesopferung Abrahams – an die 50.000 Türken in der Stadt waren. Von Aleppo ist die syrische Grenze nach Anatolien nur rund eine Autostunde entfernt.

Von der Zitadelle auf Aleppo blickend.
Der letzte Abend in Aleppo wird mir bestimmt auch ewig in Erinnerung bleiben, weil er mir persönlich gezeigt hat, dass wir Volontäre einen bisher total coolen Aufenthalt hatten, mit Höhen und Tiefen, Heimweh und Abenteuerlust. Das Ambiente in diesem syrischen Restaurant war sehr vornehm, aber auch gleichzeitig orientalisch. Mit leichter live Pop- und Jazzmusik im Hintergrund, ein paar kühlen Bierchen, leckeren Kleinigkeiten und der wohl bisher besten Wasserpfeife empfand ich bei den lustigen Gesprächen einfach nur Glück und Fröhlichkeit. Ich glaube, wir alle haben wieder die Akkus für unsere anstrengenden Aufgaben gefüllt.

Die tollste Crew im Uhrzeigersinn: v.l. Franzi, Helen, Henrike, Fabi, Tonio und Rainer. Bester Abend ever.
Liebe Freunde, liebe Weblogleser. Nur das Beste,
Euer Fabi