So liebe Leute

3 09 2008

nun kommt nach knapp 3 Wochen auch von mir der erste Blogeintrag. Ich hab leider nicht allzu oft die Möglichkeit ins Internet zu gehn, da das Office, in dem der Computer steht, immer schon zu hat wenn ich fertig bin mit Arbeiten und zum nächsten Internetcafe ist es auch ein Stückchen.Naja, auf jeden Fall gehts mir hier sehr gut und ich hab auch schon einiges erlebt in den ersten Wochen.

Für die, die es noch nicht wissen: Ich bin für die nächsten 11 Monate in Salt, einer schönen, arabischen Stadt (30 km westlich von Amman) und arbeite in einer Schule für gehörlose Kinder und Jugendliche. Ich wohne etwa 500 m von der Schule entfernt, zusammen mit zwei Gehörlosen (zwischen 18 und 25) und einem ebenfalls jungen, ägyptischen Englischlehrer. Mein Zimmer ist relativ groß, es stehen sogar zwei Betten drin (Besucher sind also jederzeit willkommen ;-) ). Das Bad ist dagegen eher klein, vor allem was die Höhe betrifft. In der Dusche kann ich nicht aufrecht stehen und der Duschkopf befindet sich weitere 20 cm weiter unten. Zu allem Unglück ist jetzt das Klo, das sowieso schon leckt auch noch verstopft und es riecht nicht immer ganz soo gut. Ich hoffe, dass da demnächst jemand kommt und das repariert. Versprochen wurde es mir zumindest, was allerdings nichts heißen muss. Ich bin jetzt knapp 3 Wochen hier und habe immer noch keinen festen Arbeitsplan, der mir ebenfalls schon lang versprochen wurde. Ich weiß also weder wann und was ich immer arbeiten muss, noch wann ich frei habe. Ist aber nicht weiter schlimm, da die Leute hier alle sehr nett und freundlich sind und einem in jeder Angelegenheit weiterhelfen.

In der ersten Woche, als die Schule noch nicht begonnen hatte, musste ich meistens bei Renovierungsarbeiten helfen, was wegen der Hitze ziemlich anstrengend war. Man ist einfach den ganzen Tag nur müde. Seit letzter Woche sind jetzt ca. 150 kleine Kinder da und es ist richtig lebhaft geworden in der Schule. Man wird ständig von allen Seiten gegrüßt, umarmt oder am Arm gepackt und irgendwo hinverschleppt. Sollte man den großen Fehler machen jemanden Huckepack zu nehmen, bildet sich sofort eine Traube von 20 Kindern um einen herum, die darauf drängen ebenfalls getragen zu werden. Kurzum, die Kinder sind alle sehr herzlich und aufgedreht, was die Pausenhofaufsicht, die seit Schulbeginn auch zu meinen Aufgaben gehört, zu einer äußerst spaßigen und manchmal (aber nur manchmal) auch etwas nervenaufreibenden Angelegenheit macht.

Kleinere Probleme bereitet mir bisher nur die Gebärdensprache (und natürlich das Arabisch), auch wenn die Kinder redlich bemüht sind mir etwas beizubringen. Nächste Woche wird es dann aber auch Kurse in beiden Sprachen geben (wurde mir zumindest versprochen…).

Die Zeit, die mir neben meiner Arbeit noch bleibt nutze ich entweder zum Schlafen oder um irgendwelche Ausflüge zu machen. Am ersten Wochenende (beginnt hier am Freitag) bin ich mit den anderen Freiwilligen (Alison, Engländerin und Tabea, Deutsche) ans Tote Meer gefahren. Mit dem Bus (eigentlich nur etwas größer als ein VW-Bus) haben wir für die etwa 50 km gute zwei Stunden gebraucht. Nach einer kontrastreichen Fahrt (alte Frauen mit lebendigen Hühnern vor und Jungs mit Handymusik hinter uns) durch eine trockene, aber schöne Landschaft erreichten wir dann den tiefsten Punkt der Erde. Danach ist eigentlich alles erzählt wenn ich sage, dass das Meer verdammt salzig und es unerträglich heiß war. Da boten nichteinmal mehr die Hotelpools eine Abkühlung.

Am Tag danach hat mich Labeeb, der auch in der Schule arbeitet und unter mir wohnt mit nach Amman in die Schneller-Schule genommen, wo ich die anderen Freiwilligen vom EMS getroffen habe. Näheres dazu hat Fabi bereits weiter unten geschrieben…

Am Sonntagabend kam dann Julius, der seine Nahostreise noch um ein paar Tage verlängerte, um mir einen Besuch abzustatten (und mir freundlicherweise auch beim Arbeiten zu helfen…). Da uns Brother Andrew allerdings nicht allzu anstrengende Aufgaben erteilte („Just be nice to people!“) und wir auch die ein oder andere Shisha in Salt geraucht haben sind doch noch ein paar gechillte Tage daraus geworden, die wir mit einem Besuch im saumäßig heißen Jarash (römische Ruinenstadt) abschlossen.

So das muss fürs erste reichen. Die blöde Tastatur bereitet mir hier ein bischen Probleme, da die Spracheinstellung immer zwischen Deutsch und Arabisch hin und her wechselt und der Cursor dementsprechend einmal nach rechts und einmal nach links geht. Naja, ich werd mich dran gewöhnen…

Jetzt hat übrigens gerade der Ramadan begonnen, wird bestimmt auch ganz lustig…

Bis Bald,

Tonio

Hier noch meine Adresse:

Holy Land Institute For The Deaf

Tonio Bixel

P.O. Box 15

Salt, 19110

Jordanien