Ein Wochenende im Zeichen des Sports

31 03 2009

Liebe Sportsfreunde und aufmerksame Weblogleser,

die Sonne lacht, das Grün spriest für jordanische Wüstenverhältnisse und angesichts der enormen Wasserknappheit recht rasch aus dem Boden und der Donnerstagmorgen lächelt mir entgegen. Endlich das wohlverdiente Wochende. Es ist ganz wichtig, ein paar selbstgestaltete Tage in der Woche zu besitzen, an denen man die Akkus wieder aufladen kann und dem schwierigen Leben an der Schneller-Schule mit seinen 120 verhaltensauffälligen Kindern entfliehen kann. Ich bin der Meinung, dass es generell sehr wichtig ist, seine Freizeit aktiv und ausgeglichen zu gestalten, um glücklich zu sein.

Vergangenes Wochende wollte ich eigentlich einen meiner Jungs zu Hause besuchen, doch im letzten Augenblick hat er mir absagen müssen. Angeblich, weil er mit seinen Elteren irgendwo hin muss. Ich bin mir da nicht ganz sicher, ob das der Wahrheit entsprach oder ob er sich kurz davor geschämt hat, mich zu ihm mitzunehmen. Angeblich soll er aus ganz einfachen Verhältnissen stammen, also sehr sehr arme Leute. Abends kamen Tonio und Michaela noch vorbei. Michaela und ich haben Chicken-Curry mit einem großen gemischten Salat gezaubert, was auch sehr lecker war. Der Rest des Abends bot noch gemütliches Wasserpfeife Rauchen und einen kurzen Abstecher ins Cube.

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Cube. Trio Infernale.

Ausschlafen am nächsten Tag ist schon ein Luxus, gell Tonio =). Ja, der arme Tropf musste nach weniger als zwei Stunden Schlaf wieder nach Salt heimfahren und arbeiten. Michaela und ich waren morgens in der akademischen Schule der TSS und haben uns das Jahrestreffen ehemaliger Schneller-Schüler angeschaut. Neben vielen historischen Bildern und einem Kurzfilm über die heutige Situation an der Schule war auch noch hoher Besuch eingeladen. Der Bischof persönlich kam vorbei. An diesem Tag gab es auch eine entscheidende Boardsitzung, in der die Weichen für eine neue Zukunft der Schule gestellt werden sollten. Um 13 Uhr machte ich mich auf den Weg zu einem Meeting der 37th IAAF World Cross Country Championships in Amman. Da sollte ich dieses Wochenende nämlich als Volontär fungieren. Gemeinsam mit meinem Team, dem presentation team, inspizierten wir die Sportstätte und die genauen Aufgaben wurden verteilt. Meine sollte darin bestehen, die Siegerteams von der Ziellinie bis zum Clothes Pick-Up und anschließend zur Siegerehrung zu begleiten. Als ich wieder von der Inspektion zurück in der sog. Sports City ankam, strömten da gerade ganz viele Araber ins Stadion. Kurzerhand habe ich erfahren, dass heute das Spitzenspiel der ersten jordanischen Fußballliga steigt. Der Erste, Whadad, gegen den Zweiten, Shebab al-Urdun. Joa, schauen wir’s und mal an, 6 Dinar 50 sind ja nicht die Welt für Haupttribünenplätze. 95% der Fans waren Anhänger des Tabellenersten, der in Amman beheimatet ist. Vom Niveau würde ich mit meinem geschulten Fußballerauge^^ die Oberliga aus Deutschland als Vergleichslevel nehmen. Dennoch, es hat sehr viel Spaß gemacht und spannend war’s ohnehin. Der Außenseiter und Tabellenzweite Shebab al-Urdun hatte zwei Chancen und die waren drin. Das nennt man Effizienz. Whadad, klar spielbestimmend, hatte unzählige Möglichkeiten, doch war einfach zu ungefährlich in  Torraumnähe. Der Anschlusstreffer folgte ungefähr in der 70. Spielminute. Auf einmal waren die Fans wieder voll da und stimmten einen Sprechgesang nach dem anderen an. Mittlerweile spielte nur noch eine Mannschaft – der Tabellenführer. Am Ende war es wohl das Glück des Tüchtigen, dass ein Abpraller des Torwarts eiskalt zum Ausgleich führte. 2:2 war dann auch der Endstand. Richtig kalt war’s danach, zumal ich nur ein Longsleeve über meinem T-Shirt hatte.

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Whadad in grün gegen Shebab al-Urdun in rot. Endstand 2:2 unentschieden.

Am Samstag war dann der Tag eines der größten Sportevents des Haschemitischen Königreichs, die 37. IAAF Weltmeisterschaften im Crosslauf. Ich mitten drin, allerdings nur als Volontär. Es war schon eine tolle Erfahrung, bei so vielen Topläufern aus Kenia, Äthiopien und Eritrea hautnah dabei zu sein. Von den Namen kannte ich keinen, aber eigentlich habe ich mit Kenenisa Bekele gerechnet, der bis auf 2007 seit 2002 die Weltmeisterschaft immer gewonnen hatte. Hohe Prominenz war auch vor Ort. Der Schirmherr der Veranstaltung  aus der Königsfamilie, Prinz Feisal Al-Hussein, und IAAF Präsident Lamine Diack aus Senegal.

„Ein Leben ohne Abenteuer ist wahrscheinlich unbefriedigend, aber ein Leben, in dem Abenteuer jedwede Form zugestanden wird, ist mit Sicherheit ein kurzes Leben.

Bertrand Russell (1872-1970), brit. Philosoph u. Mathematiker, 1950 Nobelpr. f. Lit.

In diesem Sinne meine Freunde, Glück auf und raus ins Leben.

Euer deutsch-jordanischer Fabi





Ende der Woche – Anfang der Party

24 03 2009

Hallo und welcome back,

wieder ne kleine Durststrecke ohne einen schönen gemütlichen Artikel von mir überwunden, dafür bekommt ihr gleich die doppelte Ladung: Konfirmation, Wandern in al-Fuhais und abtanzen im Cube sind die Themen der Woche.

Unser Wochenende geht seit neustem schon Samstag abends um 5 Uhr zu Ende, weil der neue Direktor möchte, dass die Kinder so häufig wie möglich im Internat unterkommen und aus ihren Familien entfliehen. Also letztes Wochenende, genauer gesagt am Samstag, wurden bei uns in der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde drei Jugendliche konfirmiert und eine Jugendliche gefirmt. Ich finde es immer toll, wenn wir in unserer Gemeinde zusammenkommen und gemeinsam Gottesdienst feiern. Als ökumenischer war es gleich doppelt so schön. Danach wurden wir Volontäre noch zu einem Empfang der KonFirmandInnen im 5-Sterne Intercontinental Hotel eingeladen. Das war mal wieder schick. Obwohl es „nur“ ein Empfang war, gab es reichlich zu essen, zu trinken und zu plaudern. Am Sonntag darauf fand der Verabschiedungsgottesdienst des Pastorenpaars Heidi Kufus-Pithan und Jürgen Pithan mit ihrer lieben kleinen Tochter Jael Ruth statt. Fast die gesamte Gemeinde ist dabei gekommen und wir haben echt einen tollen Abend gehabt. Nach dem Gottesdienst haben Heidi und Jürgen einen lippischen Imbiss vorbereitet, bei dem es Pickert gab. Das ist eine Spezialität, die als pfannkuchenartige Fladen beschrieben werden könnten.

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Die vier KonFirmandInnen in der Kirche zum Guten Hirten.

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Edler Empfang im Intercontinental mit (v.l.n.r.) Franzi, Leni und Achim, dem Praktikanten.

Dieses Wochenende waren wir für eine Wanderung im christlichen Dorf al-Fuhais angemeldet, die Jochen Regner als ortskundiges Gemeindemitglied organisiert hat. Jochen arbeitet schon seit vielen Jahren im arabischen Sprachraum und seit rund 10 Jahren in Jordanien. Fest angestellt ist er bei der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz) und ist Leiter eines Landwirtschaftprojektes im Wasserprogramm. Erstaunlich grün war die Landschaft um uns herum, viele tolle Blumen haben uns begrüßt und wir waren eine nette Truppe. Danach gab es ein echt leckeres Grillen mit allerlei Fleisch und Geflügel.

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In der sonst so kargen und öden Landschaft ist dieser Anblick ein wahrer Genuss.

Den Abend konnten wir nach 7 monatiger Abstinenz endlich mal mit einer Party feiern. Musas Töchter haben das Cube an diesem Abend empfohlen.

War echt ein toller Abend, an dem alle bissle abgedanct haben.

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Cubegirls.

Tja, jetzt sind es nur noch 11 Wochen Arbeit und anschließend stehen noch eine Libanon- und eine Ägyptenreise an. Als am Sonntag unsere super lieben Pfarrersleute nach Hause gefahren sind, da wurde einem richtig bewusst, wie schnell es doch am Ende geht.

Viel Spaß in der neuen Woche, euer Fabi.





Führungswechsel

6 03 2009

AMMAN – Nun ist es offiziell geschehen. Nach sieben Jahren im Amt als Direktor der Gesamteinrichtung „Theodor-Schneller-Schule“ wurde Hanna Mansour am Monatg, den 2. März 2009, in der Sporthalle verabschiedet und der neue Direktor, Ghazi Musharbash, in sein Amt eingeführt.

Zu diesem Anlass fand eine Mitarbeitervollversammlung statt, zu der sowohl das ganze Boarding House Personal als auch die Werkstättenangestellten, die Verwaltungsangestellten und sonstige in Schneller angestellten Leute eingeladen waren. Wie es sich zu solch einem Anlass gebührt, war der Bischof der Bischöflichen Kirche in Jerusalem und dem Nahen Osten anwesend.

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v.l.n.r.: Bischof Suheil Dawani, alter Direktor Hanna Mansour,  neuer Direktor Ghazi Musharbash.





JORDAN: Agriculture threatened by worst rainfall in 50 years

1 03 2009

Liebe Weblog-Leser,

aufgrund des Wetters ist heute die Schule ausgefallen. Im Norden des Landes kam es zu Schneefällen, in Amman lediglich zu heftigen Regenfällen. Zur Sicherheit der Schüler und des Lehrpersonals hat sich der Bildungsminister Tayseer Nueimi entschlossen, alle staatlichen und privaten Schulen des Königreichs am heutigen Sonntag zu schließen. Der erste große Regen seit ich hier bin – al-hamdu li-llâh (Gottlob). Wie drastisch die Situation in Jordanien wirklich ist, lest ihr in einem sehr interessanten Presseartikel:

DUBAI, 10 February 2009 (IRIN) – Jordan Valley Farmers are experiencing a severe lack of rainfall and urgent steps are needed to expand the area covered by greenery and promote the efficient use of water, environmentalists say. “The rainfall situation this season is unprecedented. Jordan has not witnessed such a situation for more than 50 years,” Musa Jamaini, secretary-general of the Jordan Valley Authority (JVA), told IRIN by phone. Ahmed Koufahi, executive director of the Jordan Environment Society, a local NGO, said climate change was to blame for the abnormal weather, adding that he feared the worst was yet to come unless officials adopt „a serious policy“. „We need to prepare citizens for the worst.” People should not take water for granted, and use it more wisely,“ Koufahi said. Ban imposed Jamaini said JVA – a government body responsible for the development, utilisation, protection and conservation of water resources in the Jordan Valley area – decided in January to ban summer (May-September) agricultural production in 2009. “We decided to ban summer agriculture, which consists mainly of vegetables and leafy greens, to secure water for drinking and daily use in Amman, Irbid and other cities,” Jamaini said. He said JVA was committed to providing water during the agricultural season (October to April) in Jordan Valley, the country’s largest irrigated agricultural area.

Jordan does not have lakes or rivers except for the River Jordan which faces water scarcity in its basin “We are also committed to providing 11,500 hectares of trees with 50-60 percent of their water needs to ensure their survival,” he said. According to Jamaini, the plan is flexible and will allow farmers to cultivate crops during summer if sufficient rain falls in February. Jordan does not have lakes or rivers except for the River Jordan which faces water scarcity in its basin. The kingdom’s water supply depends on dams or underground reservoirs that collect water during winter. “Water scarcity is a reality and we have to deal with it,” Basel Shehadeh, head of the Jordan Valley Farmers’ Association, said. “We cannot assume that water supplies will come to us, as what is available is barely enough to cover main agriculture production.” Dependent on winter rain Experts say most of the country’s water reserves come from rain that falls in December and January, but this year there are problems: “Rainfall to date constituted 32 percent of the average annual rainfall in northern areas and 22 percent in central areas,” Abdul Halim Abu Hazeem, head of the Jordan Meteorological Department, told IRIN. The percentage goes down as you move southwards, he said. Adnan al-Zubi, spokesperson of the Ministry of Water and Irrigation, told IRIN the country’s 10 main dams currently hold less water than at any time in recent years. “Dams hold 59mcm [million cubic metres] to date, about 27 percent of their 327mcm capacity. This figure was about 100mcm this time last year,” he said. Jordan Valley has 45,000 hectares of arable land of which 27,500 are cultivated, Jamaini said, adding: About 60 percent of those involved in agriculture are small farmers, and they fear the government might stop pumping water to their farms and re-divert King Hussein canal to the capital, Amman, for domestic use.

dvh/mbh/ar/cb