Liebe Sportsfreunde und aufmerksame Weblogleser,
die Sonne lacht, das Grün spriest für jordanische Wüstenverhältnisse und angesichts der enormen Wasserknappheit recht rasch aus dem Boden und der Donnerstagmorgen lächelt mir entgegen. Endlich das wohlverdiente Wochende. Es ist ganz wichtig, ein paar selbstgestaltete Tage in der Woche zu besitzen, an denen man die Akkus wieder aufladen kann und dem schwierigen Leben an der Schneller-Schule mit seinen 120 verhaltensauffälligen Kindern entfliehen kann. Ich bin der Meinung, dass es generell sehr wichtig ist, seine Freizeit aktiv und ausgeglichen zu gestalten, um glücklich zu sein.
Vergangenes Wochende wollte ich eigentlich einen meiner Jungs zu Hause besuchen, doch im letzten Augenblick hat er mir absagen müssen. Angeblich, weil er mit seinen Elteren irgendwo hin muss. Ich bin mir da nicht ganz sicher, ob das der Wahrheit entsprach oder ob er sich kurz davor geschämt hat, mich zu ihm mitzunehmen. Angeblich soll er aus ganz einfachen Verhältnissen stammen, also sehr sehr arme Leute. Abends kamen Tonio und Michaela noch vorbei. Michaela und ich haben Chicken-Curry mit einem großen gemischten Salat gezaubert, was auch sehr lecker war. Der Rest des Abends bot noch gemütliches Wasserpfeife Rauchen und einen kurzen Abstecher ins Cube.
Cube. Trio Infernale.
Ausschlafen am nächsten Tag ist schon ein Luxus, gell Tonio =). Ja, der arme Tropf musste nach weniger als zwei Stunden Schlaf wieder nach Salt heimfahren und arbeiten. Michaela und ich waren morgens in der akademischen Schule der TSS und haben uns das Jahrestreffen ehemaliger Schneller-Schüler angeschaut. Neben vielen historischen Bildern und einem Kurzfilm über die heutige Situation an der Schule war auch noch hoher Besuch eingeladen. Der Bischof persönlich kam vorbei. An diesem Tag gab es auch eine entscheidende Boardsitzung, in der die Weichen für eine neue Zukunft der Schule gestellt werden sollten. Um 13 Uhr machte ich mich auf den Weg zu einem Meeting der 37th IAAF World Cross Country Championships in Amman. Da sollte ich dieses Wochenende nämlich als Volontär fungieren. Gemeinsam mit meinem Team, dem presentation team, inspizierten wir die Sportstätte und die genauen Aufgaben wurden verteilt. Meine sollte darin bestehen, die Siegerteams von der Ziellinie bis zum Clothes Pick-Up und anschließend zur Siegerehrung zu begleiten. Als ich wieder von der Inspektion zurück in der sog. Sports City ankam, strömten da gerade ganz viele Araber ins Stadion. Kurzerhand habe ich erfahren, dass heute das Spitzenspiel der ersten jordanischen Fußballliga steigt. Der Erste, Whadad, gegen den Zweiten, Shebab al-Urdun. Joa, schauen wir’s und mal an, 6 Dinar 50 sind ja nicht die Welt für Haupttribünenplätze. 95% der Fans waren Anhänger des Tabellenersten, der in Amman beheimatet ist. Vom Niveau würde ich mit meinem geschulten Fußballerauge^^ die Oberliga aus Deutschland als Vergleichslevel nehmen. Dennoch, es hat sehr viel Spaß gemacht und spannend war’s ohnehin. Der Außenseiter und Tabellenzweite Shebab al-Urdun hatte zwei Chancen und die waren drin. Das nennt man Effizienz. Whadad, klar spielbestimmend, hatte unzählige Möglichkeiten, doch war einfach zu ungefährlich in Torraumnähe. Der Anschlusstreffer folgte ungefähr in der 70. Spielminute. Auf einmal waren die Fans wieder voll da und stimmten einen Sprechgesang nach dem anderen an. Mittlerweile spielte nur noch eine Mannschaft – der Tabellenführer. Am Ende war es wohl das Glück des Tüchtigen, dass ein Abpraller des Torwarts eiskalt zum Ausgleich führte. 2:2 war dann auch der Endstand. Richtig kalt war’s danach, zumal ich nur ein Longsleeve über meinem T-Shirt hatte.
Whadad in grün gegen Shebab al-Urdun in rot. Endstand 2:2 unentschieden.
Am Samstag war dann der Tag eines der größten Sportevents des Haschemitischen Königreichs, die 37. IAAF Weltmeisterschaften im Crosslauf. Ich mitten drin, allerdings nur als Volontär. Es war schon eine tolle Erfahrung, bei so vielen Topläufern aus Kenia, Äthiopien und Eritrea hautnah dabei zu sein. Von den Namen kannte ich keinen, aber eigentlich habe ich mit Kenenisa Bekele gerechnet, der bis auf 2007 seit 2002 die Weltmeisterschaft immer gewonnen hatte. Hohe Prominenz war auch vor Ort. Der Schirmherr der Veranstaltung aus der Königsfamilie, Prinz Feisal Al-Hussein, und IAAF Präsident Lamine Diack aus Senegal.
„Ein Leben ohne Abenteuer ist wahrscheinlich unbefriedigend, aber ein Leben, in dem Abenteuer jedwede Form zugestanden wird, ist mit Sicherheit ein kurzes Leben.„
Bertrand Russell (1872-1970), brit. Philosoph u. Mathematiker, 1950 Nobelpr. f. Lit.
In diesem Sinne meine Freunde, Glück auf und raus ins Leben.
Euer deutsch-jordanischer Fabi







