Probleme sind da, um gelöst zu werden

13 11 2008

Wenn mal wieder nicht alles hier so läuft, wie man es sich gerne wünscht, dann muss man im wahrsten Sinne des Wortes „Abwarten und Tee trinken“. Nichts geschieht schnell, sondern shwai shwai, gemach gemach. Heute funktioniert nach langer langer Zeit, genauer gesagt nach einer Woche, das Internet wieder. Während unsrer Zeit in Israel hat sich ein Taugenichts über den zweiten, nicht gut gesicherten Eingang Zugang zur Bibliothek und dem Router verschafft und ihn gestohlen. Da merkt man mal, wie abhängig man von dieser Technik schon ist, dass man selbst eine Woche als lang bezeichnet. Auch Musa, der pädagogische Berater der TSS, war fast am Rande eines Nervenzusammenbruchs, da seine wichtigste Arbeitsquelle, sein e-Mail Postfach, plötzlich mit einem enormen Aufwand verbunden war, da er jedesmal 5 Minuten ins Seilgartenoffice stiefeln musste, um seine Mails abzurufen. Die Männer aus der Hausmeisterei haben jetzt eine Mauer in der Bibliothek errichtet, sodass nur noch der Zugang über das vordere Treppenhaus möglich ist. Der neue Router kam wie gesagt heute und somit öffnet sich für uns wieder die wunderbar weite Welt des Worl Wide Webs.

Die Tage hat jetzt auch unsere Waschmaschine und mein Wasserhahn im Zimmer gestreikt. Bei meinem Wasserhahn hat sich nach kurzer Nachforschung seitens eines jungen Mitarbeiters der Hausmeisterei, die alle sehr zuvorkommend aber gemütlich sind, herausgestellt, dass der interne Doktor, Abu Samir, die Leitung ausversehen ein Stockwerk höher abgestellt hatte. Mit der Waschmaschine warten wir noch vergeblich. Kurzerhand hab ich dann halt meine ganze Schmutzwäsche in die Wäscherei gegeben, wo sie morgen hoffentlich trocken vorzufinden ist.

Eine andere Sache, keine Wahnsinnsgeschichte, aber doch ein ziemlich charakteristisch, war die Neustreichung des Bades, wo wir alle duschen. Zum Streichen haben sie die Kleiderhakenleiste weggeschraubt, die meines Wissens nur mit Nägeln krumm an der Wand hing. Als dann die Streicharbeiten vorbei waren, verging mindestens eine Woche, in der das Brett immer noch nicht hing. Keine Ahnung, wo die anderen Schmutzfinken in dieser Woche ihr Handtuch und die neue Unterwäsche hingelegt haben, ohne, dass beides nass wurde. Mich hat das total gestört und deswegen hab ich kurzerhand in der Schreinerei einen Bohrer, Dübel und Schrauben besorgt. Eine Sache von einer halben Stunde – naja, nicht ganz, weil bei jedem, wo ich irgendetwas geholt habe, ein Tee getrunken wurde. Ratzfatz waren die Löcher gebohrt, die Dübel versenkt und das Brett tip top an der Wand festgemacht. Vielleicht streiche ich es demnächst sogar mit einer schönen Lackierung. Die Jordanier von meinem Korridor geschweige denn die Mädels hätten jetzt bestimmt die restlichen Monate ihr Handtuch und die neue Wäsche irgendwo hingelegt, wo es nass wird oder ekelhaft ist. Dabei war das echt kein Umstand. Probleme sind da, um gelöst zu werden. Dann kann das Leben so einfach und unbeschwert sein. In diesem Sinne, nur das Beste und Glück auf. Es gibt immer was zu tun.

Euer Fabi

PS: Ich möchte jetzt mal einen kleinen Aufruf starten, der die anderen Autoren dieses Webtagebuches zum Schreiben verbannen soll. Also wer diesen Artikel liest und zufällig jemand der restlichen Crew kennt und irgendwelche Kontaktdaten hat (ICQ, MSN Messenger, StudiVZ, facebook, e-Mail etc.), bitte ganz ganz arg nerven. Am besten jetzt gleich nach dem Lesen zu bombardieren. Ich schreibe zwar sehr gerne für dieses Tagebuch, da ich auch der Administrator bin, ich möchte aber nicht Alleinunterhalter sein. Vielen Dank für eure Mithilfe.





Vom Ausland ins Ausland

9 11 2008

Shalom liebe Freunde,

lange gab es nichts mehr von mir zu hören, doch wir sind nun wohlbehalten von unserer Israel-Reise zurück. Mit den Pässen hat alles gut funktioniert und der Grenzübergang ging mit knapp einer Stunde Wartezeit recht flott (zumindest, was man sonst so gehört hat). Angekommen in Jerusalem haben wir uns erst einmal nach einer Unterkunft umgeschaut. Durch hilfreiche Tipps von unserem Pfarrer war dann das Faisal Youth Hostel unser Quartier für eine Nacht. Man muss sich das als richtige Backpacker Absteige vorstellen, in der seltsame Typen aus aller Welt rumlaufen und am liebsten die Zahnbürste mit dir teilen wollen. Hamburgs Backpacker Hostel lässt grüßen. Naja, war trotzdem ziemlich cool. Den Abend haben wir, Henni, Franzi, Tonio und ich, dann noch genutzt, durch die Altstadt zu schlendern. Ziemlich genial fand ich, dass wir an der Touristeninformation eine kostenlose einstündige Führung über die Geschichte Jerusalems abgepasst hatten.

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Wunderschöner Blick vom Ölberg auf die Altstadt Jerusalems

Am nächsten Morgen war dann der ganze Tag in Jerusalem mit Theresa geplant, die vom ems in Ramallah auf dem Sternberg arbeitet. Über die Klagemauer, Jüdisches Viertel, Via Dolorosa, die Basare und großen Stadttore bis zum Felsendom und der Grabeskirche war so ziemlich alles aus der Old City dabei. Meiner Meinung nach ein super schönes Städtchen, Jerusalem, mit seinen unterschiedlichen Vierteln, Religionen, Völkern und Gässchen. Aufbruch war um vier, um einen Freund Tonios in Qiryat Gat zu besuchen, einer Stadt eine Stunde südwestlich von Jerusalem. Die Einrichtung dort unten heißt Neve Hanna und beherbergt jüdische und einen kleinen Teil muslimische Kinder mit familiären Problemen. Die Einrichtung hat 7 deutsche Volontäre und 8 israelische. Die Deutschen, worunter auch Milan, der Freund Tonios ist, leben in einer ziemlich coolen Holzhütte in einer Art deutschen Wohngemeinschaft. Man muss schon sagen, das Leben dort läuft anders wie hier in Jordanien. Es geht wesentlich westlicher zu, fast schon europäisch. Männer und Frauen leben meiner Meinung nach nicht so auf Abstand und verschleierte Frauen sind angesichts der muslimischen Minderheit in Israel eine Seltenheit. In Qiryat Gat haben wir dann auch in den Wohngruppen der Kinder den Shabbat hautnah miterleben dürfen. Erst waren wir mit einer Kippa, der Kopfbedeckung der männlichen Juden, in der Synagoge. Ich war überrascht, dass die Juden in ihrer Zermonie fast nur singen. Der Rabbi hat zwar mal ganz kurz was auf hebräisch gesagt, dass konnte aber niemals die Predigt sein, oder doch? Keine Ahnung. Nach der Synagoge gab es dann noch lecker Essen – Putenschnitzel. Den Shabbat haben wir dann in der Einrichtung verbracht und uns unter anderem den Minizoo mit Chamäleon und Riesenschildkröte angesehen. Abends gings zu Theresas Einrichtung, dem Sternberg in Ramallah. Ramallah ist schon palästinensisches Autonomiegebiet und liegt somit hinter der sehr umstrittenen acht Meter hohen Mauer, die die Palästinenser von den Israelis trennt. Der Checkpoint, den wir dabei passierten, war sehr interessant, aber eigentlich problemlos für uns.

Sonntag stand dann nochmal ein Tag Jerusalem und Ramallah an. In Jerusalem haben wir noch ziemlich coole Sachen gesehen. Unter anderem den Ölberg mit dem Garten Gethsemane, direkt auf dem Tempelberg mit Felsendom und Al-Aqsa-Moschee, Berg Zion mit den Stätten des letzten Abendmahls und der Sterbekirche Marias sowie die Erlöserkirche. Den Abend waren wir dann noch in Ramallah unterwegs, wo unter anderem auch die Grabstätte von Jassir Arafat ist. Montag früh waren wir kurz vor der Weiterreise in den Norden des Heiligen Landes noch in der angeblich ältesten Stadt der Welt, Jericho.

Um den Artikel jetzt nicht all zu lang zu halten, liste ich mal kurz die weiteren Stätten im Norden zu Besuch bei meinem Kumpel Tobi B. auf: Die Kreuzfahrerstadt Akko am Mittelmeer bei tollem Sonnenwetter (wohlgemerkt um die 30 ° C im November), alles rund um den See Genezareth, Nazareth und die Einrichtung von Tobi. Ich hab mich in Israel pudelwohl gefühlt und zu keiner Zeit eine Angst verspürt, nicht mal in den Autonomiegebieten oder in der Jerusalemer Altstadt. Neun aufregende Tage im Lande Jesu, ein Besuch bei meinem guten Freund Tobi und ein noch nie erlebtes Novemberwetter machten diese Reise unvergesslich.

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Auf den Hafenmauern der Kreuzfahrerstadt Akko mit meinem Freund Tobi – Mittelmeergenuss im November bei angenehmen 28 ° C.

Die Zeit vergeht wie im Fluge und bald steht schon die Syrien-Reise an. Shalom Shalom aus dem Heiligen Land.

Nur das Beste, Euer Fabi